Neulich, bei der Ortsdurchfahrt, fielen mir die wirklich gelungenen Plakate des lokalen Schäferhundevereins auf, die, um einen nach links orientierten, wirklich prachtvollen, deutschen Schäferhund herum etwa folgende Informationen enthielten: Vatertagsfest – Aha, eine Einladung also für eine hier angesprochene Zielgruppe mit erbrachten Leistungen. Dann 3 bemerkenswerte Sprechblasen über dem kraftvollen Rücken des Hundes: Schlachtplatte, Grillschinken, Steak, und, in der Nähe der Schwanzspitze, etwas tiefer: Kaffee und Kuchen.

Das Plakat wirkte, auf mich, bei jeder Ortsdurchfahrt. Kann man so Vätern Freude machen? Was haben Schlachtplatte, Grillplatte und Steak mit diesem Fest und dem deutschen Schäferhund zu tun? Sollten die gelehrigen Tiere in diesem Fall etwa als Lieferanten …. Nein, diesen Gedanken verwarf ich gleich wieder, auch deshalb, weil ich auch weiterhin  auf meinen Arbeitsplatz in Deutschland angewiesen bin. Was aber sollten die Mitbürger mit türkischen, italienischen, französischen und griechischen Wurzeln beim Anblick des Plakats denken? Warum wurde dieses Fest derart proteinlastig und nicht etwa hormonlustig ausgelobt? Im Ernst: Wer hat nach den genannten 3 Gängen noch Appetit, z.B. auf Kaffee und Kuchen? Vermutlich sollten gleichzeitig auch noch, etwas tiefer, Kinder (Kuchen) und Frauen (Kaffee und Kuchen) angesprochen werden.

Kritisieren ist einfach, konstruktive Lösungen sind gefragt! Daran arbeitete ich jetzt bei jeder weiteren Ortsdurchfahrt, 3 Wochen lang. Wie wäre es mit 3 Sprechblasen Bauchtanz, Weinprobe, Streichelzoo und, etwas tiefer Sloterdijk 1).

Bauchtanz zur Musik von Freddy Mercury, von einer Angehörigen einer dafür prädestinierten Nationalität vorgetragen, würde dem Fest eine leichte, durchaus erotische Note geben, eben vatertagsangemessen. Und nicht von ungefähr verbindet uns ein Filmtitel wie „Der mit dem Wolf tanzt“ mit Tanz und edlem Tier, das ja auf diesem Fest quasi in der Gastgeberrolle ist. Die Weinprobe gäbe den weiteren genannten Nationalitäten Anlauf- und Einlaufmöglichkeiten, den Vätern auch, vielleicht noch mit einigen Käse- oder sonstigen Appetithappen unterlegt. Den Streichelzoo bei dieser Gelegenheit schließlich halte ich für eine meiner besten Ideen: wenige Miezen, Hasen und Ziegen würden die animale Monotonie kompensieren, würden unsere Kleinen begeistern, und würden, im richtigen Augenblick losgelassen, für lebhaftes Treiben auf dem Gelände sorgen. Bliebe noch das Angebot für die Frauen, etwas tiefer: Sloterdijk 1).Hier muss die Fußnote herhalten: 1) Vortrag „Nachwuchsarbeit für den Verein unter besonderer Berücksichtigung der Wirtschaftskrise“ mit anschließender Diskussion und praktischen Beispielen. Die Kleinen können ja währenddessen im Streichelzoo spielen.

An dieser Stelle angekommen bin ich jetzt hochzufrieden, habe ich doch eine Einladung für ein offenes, lockeres, multikulturelles, multianimales, zukunftorientiertes und Männer, Kinder und Frauen gleichermaßen ansprechendes Vatertagsfest des Schäferhundevereins ersonnen. Schäferhund reloaded, sozusagen. Doch, verdammt, heute, 21.05.2009, findet er ja schon statt, der Vatertag, für die Plakate ist es eindeutig zu spät! Na ja, dann bleibt ja noch das nächste Jahr. Dann gehe ich nach dieser gewaltigen schöpferischen Leistung vor dem Rasenmähen und vor dem Liederabend in meinem Heimatverein 1870/71 doch erst einmal spazieren, mit unserem selbstredend deutschen Schäferhund. Verdammt, wo habe ich es bloß hingelegt, das Dressurhalsband?

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