Beruflich war ich wieder im Nordosten der USA unterwegs. In der idyllischen Kleinstadt saß ich abends bei einem gepflegten Pils am Tresen einer Kneipe, die ich dank ihrer Werbung German Beer gefunden hatte. Da setzte sich ein zugegebenermaßen eher undurchschaubarer Typ neben mich, Pilstrinker, immerhin, und bot mir unvermittelt ein jFon für gerade mal 200 bucks an. Dessen Eigenschaften seien dem, na Sie wissen schon, haushoch überlegen, da es sich mit 20 Terabyte, von den besten Hackern hämbörgs programmiert, in alle erreichbaren Netze einlogge, um als Master sofort die Kontrolle über das ausgewählte Objekt, oder die Objekte zu übernehmen. Die Objekte seien neuerdings ausnahmslos zur Kontrolle und zur Wartung mit einer Zentrale verbunden, die dann eben vom jFon emuliert würde. Kühlschränke, zum Beispiel, seien meist zu tief eingestellt, was zur Klimakatastrophe beiträgt. Mit dem jFon können man alle erreichbaren Kühlschränke hochregeln, und beiläufig noch Daten zum Ess-, Fernseh- und Sexualverhalten breiter Bevölkerungschichten nach 21 Uhr gewinnen. Hier flackerte sein Blick, so dass ich unsicher war, ob er Vertreter für Kühlschränke, oder für Reizwäsche war. Wirklich überzeugt war ich nicht, trotzdem kaufte ich es ihm ab, das jFon, für 200 bucks.

Am nächsten Morgen ging ich zur Bank, klar, mein Bargeldvorrat war erschöpft, und regelte beiläufig die erreichbaren 237 Kühlschränke auf + 8 °C hoch. Im Eingang der Bank stand ein Kaffeeautomat, ich loggte mich mit meinem jFon ein, Coffee German, nahm meinen Kaffee, selbstredend kostenlos, entgegen, und quittierte mit quit – was ein Fehler war, da der Automat, autark in diesem Zustand belassen,  nachfolgend noch 27,3 Liter German Coffee in den Vorraum der Bank ergoss. Nun ja, ich hatte jetzt erst mal wieder etwas Bargeld, lehnte noch den Ankauf einer CD mit tax sinners, Germany, southwest, 2379 names ab, nicht weil ich mit Mappus und Goll sympathisiere, sondern weil ich dafür keine Zeit hatte. Ich watete unauffällig davon.

Etwas weiter parkte ein stattlicher Porsche Cayenne mit verspiegelten Scheiben, wuchtigem Rinderfänger und zahlreichen Antennen. Sollte der etwa auch? Ja! Er blinkte mir freudig entgegen, und öffnete die Fahrertür zuvorkommend 45 cm weit. Die Fahrt durch die schöne Landschaft war erholsam. In der Ferne sah ich einen dieser großartigen amerikanischen Züge. Ich hielt an, wählte train, und reverse. Das Spektakel war unbeschreiblich: Vollbremsung auf 22,4 Kilometer, Rauch– und Asbestwolken, der Zug dann im Rückwärtsgang, bis er am Horizont verschwand. Zufrieden drückte ich jetzt release, statt quit, die Kontrolle an den master gab ich damit zurück..

Oben flog ein – Jumbo Jet! Nach Anwahl lauteten die Optionen 360 ° Left Right. Ich überlegte kurz: Bei 1 ° Drehgeschwindigkeit pro Sekunde und einer Fluggeschwindigkeit von 900 km/h braucht der 360 Sekunden für einen Vollkreis mit einem Durchmesser von  28,647 km. Majestätisch, wie der Riesenvogel meiner Anweisung Left, 3fold zu 3 Linksvollkreisen in 18 Minuten folgte. Ich dachte kurz daran, München – besser: Munich 2018 mit dem Kondensstreifen des Jumbos in den blauen Abendhimmel zu schreiben. Ich verzichtete aber, damit die Piloten noch die Chance hatten, einen Ausweichflugplatz zu erreichen – bei d e m Spritverbrauch. Und dann natürlich: release, aber bitte erst nach den 3 Kreisen.

Die Landschaft wurde monotoner keine Dörfer mehr, dafür Stacheldraht, Schlagbäume und Militär. Mehrfach das Gleiche: Dank jFon gingen Schranken unaufgefordert hoch, die Wachen winkten freudig, und auf dem Display meines jFons stand deren Antwort: „Welcome, No. 2“. Sollte das Personal, Männer und Frauen, etwa Hillary oder Bill näher kennen? Unweit mehrerer glänzender Hügelkuppen zeigte das jFon Display jetzt Open und Launch an. Genau in der Reihenfolge klickte ich. Der Erfolg war verblüffend: 2 Hügel öffneten sich, Rauch, wie bei einem Vulkanausbruch, quoll hoch, bis sich 2 silberne Projektile auf ihrem Weg nach Moskau steil in den Abendhimmel erhoben und dabei mittig die konzentrischen Kondensstreifenwolken des Jumbos durchstießen. Ich war tief beeindruckt, vergaß aber nicht, release zu drücken. Ich drehte um. Zwei platzende Feuerbälle hoch am Himmel ließen darauf schließen, dass No. 1, Obama, von seiner Möglichkeit der Selbstzerstörung der beiden Titan 2G noch vor der russischen Antwort Gebrauch gemacht hatte. Jetzt auf dem Rückweg gingen wieder automatisch die Schlagbäume hoch, das Personal salutierte, hatte es doch am abendlichen Feuerwerk genauso viel Freude wie ich und die Passagiere des Jumbos. Zufrieden und etwas hungrig gab ich jetzt einfach ein: Bratwurst German. Die Verkäuferin wirkte sympathisch, ansprechend, 34 Jahre, Herzschrittmacher. Ich erhöhte Ihren Puls auf 120, als sie mich das erste Mal anblickte.

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