Unser Alltag steckt voller Belastungen. Er fordert und er überfordert uns. Knappe Zeit, zu viele Termine, ungelöste Aufgaben, allgemeine Unzufriedenheit, Stress, vegetative Störungen, Tremor. Daher ist es wichtig, seine Zeit sehr sorgfältige zu planen, gut zu organisieren, und Umwege zu vermeiden. Folgendes lernt man auf Seminaren: Morgens im Büro alle Aufgaben zeilenweise aufschreiben. Am besten mit Kaffee. Dann die Aufgaben gewichten. Dann neu arrangieren, die wichtigen Aufgaben oben. Dann neuerlich gewichten. Dann wieder Kaffee. Spätestens 90 Minuten nach meiner Ankunft im Büro beginne ich dann schon gut vorbereitet mit produktiver Arbeit. Was für ein Erfolgserlebnis, wenn ich dann zeilenweise erledigte Aufgaben durchstreiche, oder, als Belohnung noch besser, grün markiere! Sie sehen schon, bereits so kleine Maßnahmen bringen uns weiter. Ich wende das Belohnungsprinzip auch im privaten Bereich an: Auf In-Linern fahre ich gelegentlich kleine Dreiecke: von der Ortsmitte zum Rhein, erster Wendepunkt, von dort zum Baggersee, zweiter Wendepunkt, und dann zurück. Das mit dem Sporttreiben kostet natürlich Überwindung. Deshalb belohne ich mich: eine Banane nach dem 1. Wendepunkt, einen Schokoriegel nach dem 2. Wendepunkt, was ich aber in dieser Form meinem Zahnarzt nie sagen würde. Glücklicherweise gibt es gleich nach dem 2. Wendepunkt eine schöne Gartenwirtschaft. Ich dehne die Belohnung dann gelegentlich auf eine oder mehrere In-Liner-Halbe aus (Sie wissen natürlich, dass wir bei dem schlechten Radler-Image auch im allgemeinen Sprachgebrauch nach neuen Ausdrücken suchen müssen). Es kommt dann häufiger vor, dass ich mit dem Taxi nach Hause fahren muss.

Darüber wollte ich gar nicht erzählen, das kann ja jeder, spätestens nach einem Seminarbesuch. Das mit dem Organisieren und Belohnen. Nein, ich habe einen gänzlich neuen Weg gefunden: Ich habe kürzlich gelesen, dass die klügste Person auf der Welt eine Frau ist, und dass sie, wenn befragt, häufig völlig überraschende Antworten gibt, mit kurzen und direkten Lösungswegen, auf die wir als eher durchschnittlich Begabte normalerweise nie gekommen wären! Ich habe mir seitdem angewöhnt, dort, wo immer möglich, kurz inne zu halten, und die klügste Frau der Welt nach ihrem Vorschlag zu fragen. Nein, nicht mit dem Handy, sondern einfach so, mental, und sie hat mir noch immer geholfen. Dazu einige Beispiele.

Heute Morgen, Montag, griff ich nach frischen Socken vom Sockenstapel. Dummerweise verhakte sich das 2. Paar in der Weise am ersten, so dass ich jetzt das intakt gefaltete erste Paar, und das aufgefledderte 2. Paar in der Hand hielt. Was tun? Schließlich konnte jeden Augenblick eine mir näher bekannte, ordnungsliebende Person ins Zimmer reinkommen! Etwa wieder zusammenfalten, dazu das 1. Paar aus der Hand legen? Eine kurze Nachfrage bei der klügsten Frau der Welt: Das 2. Paar aktuell verwenden und das erste Paar unauffällig zurücklegen! Genial, darauf wäre ich allein nie gekommen, und ich wurde im Betrieb nur zweimal auf meine knallroten, grün karierten Sportsocken angesprochen. Und das Schöne: wenn man solche Schlüsselsituationen verinnerlicht hat, kann man andere Szenarien mühelos entschärfen: Neulich, auf der Vernissage, nahm ich unauffällig das 2. Brötchen, das mit dem Kaviar, vom Stapel, verhedderte mich aber, sie ahnen es schon, so unglücklich an dem 1. Brötchen, das mit dem Lachs, dass dieses leider in das Mousse au Chocolat fiel. Der klügsten Frau der Welt sei gedankt, dass ich auch in diesem Fall entschlossen das erste Paar, das Lachsbrötchen, auf den Stapel zurücklegte. Unauffällig, wie ich meinte, allerdings stand die Frau des Oberbürgermeisters hinter mir. Seitdem bekomme ich keine Einladungen mehr und habe – erfreulicherweise – 3 Kilo abgenommen. Welche Weitsicht!

Ein praxisnäheres Beispiel: neulich war ich zum Fernsehen auf der Hornisgrinde, das Auto vor der Rückfahrt prallvoll mit potentieller Energie, 1066 m über dem Meeressspiegel. Eine kurze Rückfrage bei der klügsten Frau der Welt: Eges. = Epot. + Ekin.. Zum Energiesparen, in Anerkennung des Nobelpreises an Al Gore, jetzt einfach die potentielle Energie in kinetische Energie umwandeln, und das geht am effizientesten mit stehendem Motor! Entschlossen nahm ich in der ersten Gefällstrecke den Gang raus und drehte den Zündschlüssel voll nach links. Ich hatte dabei übersehen, dass das Lenkradschloss einrastete. Am nächsten Tag, im Krankenhaus, plante ich schon die Ersatzbeschaffung des Fahrzeugs: Diesmal mit Schubabschaltung und Zündautomatik ausgestattet, und selbstverständlich mit kreiselgestützter Bremskraftrückgewinnung. Ersten Berechnungen zu Folge sollte mein Malheur dann allein über die eingesparten Treibstoffkosten in knapp 27 Jahren amortisiert sein. Man sieht, dass die klügste Frau der Welt ganz einfach in weiteren Zeithorizonten denkt!

Die Inkarnation der klügsten Frau der Welt ist für mich die Frau, bzw. die Stimme in meinem Auto-Navigationssystem. Nach einigen leidvollen Fehlversuchen meinerseits habe ich gelernt, dass sie immer recht hat. Seitdem vertraue ich ihr blind. Kürzlich, auf dem Weg nach Magdeburg, sagte sie auf dem Autobahnzubringer: „Bitte links halten!“. Natürlich blieb ich sofort stehen, auf der linken Spur. Die Schlange hinter mir wuchs beachtlich schnell und es dauerte einige Zeit, bis der Polizeiwagen mit Blaulicht zu mir durchkam. Den beiden älteren Herren könnte ich den Sachverhalt mühelos erklären. Nach einigem Nachdenken meinten sie freundlich, fast nachsichtig, ich hätte in diesem Fall wohl „Bitte links halten!“ mit: „Bitte auf der linken Spur bleiben!“ verwechselt. Das leuchtete mir ein. Sie waren so nett, dass ich sie um ihre Privatadressen bat. So habe ich, dank der klügsten Frau der Welt, 2 neue Freunde. Und das bei einem Einsatz von gerade mal 40 Euro, die ich vor dem Weiterfahren gerne bezahlte.

Ein letztes Beispiel: Neulich gab es abends starken Schneefall. Was tun, räumen? Ich muss dazusagen dass ich für 42 Meter Straßenfront verantwortlich bin. Also einfach nachgefragt: Ich bekam raus, dass die Verkehrssicherungspflicht um 20:00 endet, und über Nacht Tauwetter angesagt war. Ich ging entspannt zu Bett und schlief gesund, bis auf die wenigen Störungen durch die Signal- und Martinshörner der Kranken- und Polizeiwagen.

Ich hoffe, ich habe sie überzeugt. Machen Sie doch gleich einen ersten Test: Fragen Sie doch einfach die klügste Frau der Welt, warum Sie diesen Beitrag bis zum Ende gelesen haben.

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