Labor-brandgefährlich

Von Clemens Fix und Wolfgang Woiwode

Vorausgeschickt sei, dass wir als Laborbetrieb alle Sicherheitsanliegen engagiert verfolgen. Der Sicherheitsverantwortliche, der Sicherheitsbeauftragte und der Sicherheitsingenieur kommunizieren, informieren und trainieren in Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Überall dort, wo möglich, sind Sicherheitsanliegen über Standardarbeitsanweisungen geregelt.

Abbildung 1

Wir waren daher alarmiert, als es an einem Maimorgen in einem Labor „brenzlig“ roch. Die Quelle war schnell identifiziert: Eine am Vortag bereitgestellte Probe eines Fertigarzneimittels, sekundärverpackt noch in der Faltschachtel und umverpackt in einem PE-Beutel. PE-Umverpackung, Faltschachtel und Gebrauchsinformation zeigten ein kleines, scharf umrandetes Brandloch, das zentrisch bis zu einem „angesengten“ Blisterstreifen führte (Abbildung 1).

 

Wir stellten fest, dass der für die anstehende Prüfung bereitgestellte, mit Dissomedium gefüllte 10 L-Messkolben offensichtlich als Sammellinse gewirkt hatte, und in den Abendstunden wie ein Brennglas das beschriebene Brandphänomen ausgelöst hatte (Abbildung 2). Die weitere Recherche zeigte, dass die an diesem langen Frühlingstag tiefstehende Sonne bei Rückseitenwetter mit klarer Luft praktisch einmalig im jahreszeitlichen Ablauf den Messkolben durch die Doppelverglasung des Außenfensters annähernd horizontal passiert hatte.
Direkt am Folgetag, zur gleichen Uhrzeit und bei annähernd gleichen Wetterbedingungen versuchten wir, diese Konstellation im Außenbereich und im Innenbereich mit Messkolben mit einem Volumen von 25 mL bis 10000 mL nachzustellen. Es ist uns nicht gelungen, auf Zellstoff und ähnlichen Materialien, und dann auch auf der beschriebenen Probe auch nur den kleinsten Brandfleck zu erzeugen. Insofern war die Konstellation am 12.05.2011 wohl „einmalig“ gewesen, was natürlich im Desasterfall gegenstandslos gewesen wäre.

Im Rahmen unserer CAPA-Maßnahmen haben wir den Vorgang sorgfältigst untersucht. Ein desaströser Laborbrandherd hätte wohl auch bei Überschreitung des Flammpunkts nicht entstehen können, weil die Probe einzeln „hinter“ dem Messkolben stand und Abstand zu weiteren Materialien hatte. Zudem waren mit Arbeitsende am 12.05.2011 brandfördernde Stoffe und Lösungsmittel laborüblich und ordnungsgemäß in die entsprechenden Sicherheitsschränke verbracht worden. Insofern ist in der Relativierung von einem isolierten und lokal begrenztem Ereignis zu sprechen.

Wir haben dieses Ereignis als authentisches Beispiel in unser Trainingsprogramm übernommen. Wir ermutigen Sie, diesen Erfahrungsbericht wo sinnvoll auch in Ihr Sicherheitstraining zu übernehmen. Wir ermutigen Sie weiterhin, uns Ihre eigenen, vielleicht ähnlich gelagerten Erfahrungen unter info(Replace this parenthesis with the @ sign)techpham.de mitzuteilen. Zusammen mit Ihnen sind wir bemüht, mindestens einen unnötigen, und noch dazu schwer aufzuklärenden  Laborbrand zu vermeiden – es könnte ja auch das eigene Labor betreffen.

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